Vor vielen, vielen Jahren und ganz, ganz weit weg im alten "Reich der Mitte", das man heute unter dem Namen China kennt, begab es sich, dass der Kaiser an einer sehr schweren Krankheit litt. Es begann mit einem kleinen Schnupfen, dann kam das Fieber, der Kranke hatte keinen Appetit und schließlich auch keinen Hunger mehr und war innerhalb kürzester Zeit zu einem Schatten seiner selbst abgemagert. Die berühmtesten Ärzte des Landes wurden herbeigerufen, doch keinem gelang es, den Patienten zu heilen.
Einen einzigen Arzt hatte man gar nicht erst um Hilfe gebeten, denn es hieß, er behandle alle Kranken ohne Ansehen der Person und sogar, wenn sie nicht dafür bezahlen konnten. So ein Arzt kam für den Kaiser von China selbstverständlich überhaupt nicht in Frage - was konnte so einer schon taugen, der kein Geld für seine Dienste nahm!
Aber das Leiden des Kaisers wurde immer schlimmer, und auch die Arbeitslosigkeit im Lande stieg höher und höher, denn man hatte schon sämtliches Küchenpersonal entlassen, und Lebensmittellieferanten brauchte der kaiserliche Hof ja auch keine mehr, wenn der Herrscher nichts mehr aß.
Kurz und schlecht, die Lage eskalierte und drohte aus dem Ruder zu laufen und das ganze Kaiserreich in den Abgrund zu reißen, so dass die Höflinge endlich beschlossen, noch einen allerletzten Versuch zu unternehmen und doch auch diesen komischen Armenarzt da im entferntesten Winkel des Reiches zu konsultieren.
Der nahm ausnahmsweise die Ehre an, sich in der kaiserlichen Sänfte schnellstens an den Hof des Herrschers schleppen zu lassen - nicht, weil sie so prächtig mit Gold und Juwelen geschmückt war und überall bewundernde Blicke hervorrief, sondern weil Eile geboten war, den Todkranken zu behandeln, und die Sänfte das einzig verfügbare Transportmittel war.
Lange brauchte der Arzt nicht für seine Diagnose, und so stand er bald schon in der großen Palastküche und kochte eigenhändig in einem kleinen Töpfchen, das er von Zuhause mitgebracht hatte, ein Hühnersüppchen, in das er allerlei Kräutlein schnippelte, die er selbst gesammelt und ebenfalls mitgebracht hatte. Nach zwei Stunden etwa war er fertig, und brachte dem Kaiser von China den ersten Teller dampfende Suppe, den dieser zunächst widerwillig, aber dann mit immer größerem Vergnügen auslöffelte und am Ende sogar noch einen zweiten Teller voll haben wollte. Den gab es allerdings erst am nächsten Tag, denn erstens war das kleine Töpfchen schon leer, und zweitens war der Kaiser auch noch viel zu geschwächt, um seinen Magen gleich wieder mit zu viel Essen vollzustopfen.
Nach einer Woche etwa, in der der Arzt auch noch verschiedene Fitness-Übungen mit seinem Patienten praktiziert hatte, war der Kaiser von China wieder kerngesund und putzmunter, und der Arzt schnürte zufrieden sein Bündelchen, um wieder in sein fernes Heimatdorf zurückzukehren.
Als er sich vom Kaiser von China verabschieden wollte, fragte dieser den Arzt nach der Rechnung. Und weil er schon von seinen Höflingen gehört hatte, dass der Arzt nie Geld für seine Dienste forderte, bot er ihm ein Geschenk an - was immer sich der Arzt wünschen würde, war der Kaiser von China bereit, ihm zum Dank für seine Genesung zu gewähren.
Der Arzt zögerte nicht lange, sondern erbat sich Reis vom Kaiser, um damit all den Armen und Kranken bei sich zuhause wenigstens eine Mahlzeit am Tag bieten zu können. Die Höflinge kugelten sich am Boden vor Lachen, als sie diese seltsame Bitte hörten - dieser komische Arzt, der sämtliche Schätze des Hofes und vielleicht sogar das halbe Reich hätte verlangen können, wollte nur ein bisschen Reis!
Auch der Kaiser von China wunderte sich ein wenig, aber er stimmte sofort zu, bevor der Arzt es sich vielleicht doch noch anders überlegte. Zumal er auch glaubte, einen hervorragenden Deal zu machen, als er hörte, welche Menge Reis der Arzt als Lohn erbat.
In den Fußboden des großen Audienzsaales war ein riesiges Schachbrett eingelegt, auf dem der Kaiser mit seinen Dienern zu spielen pflegte, wobei sie selbst die Schachfiguren waren und entsprechend den Spielregeln über die einzelnen Felder hüpften.
Der Arzt nun bat darum, auf jedes einzelne Spielfeld, beginnend bei A-1 und endend bei H-8, jeweils die doppelte Anzahl an Reiskörnern des vorangegangenen Feldes zu legen. Auf A-1 also 1 Reiskorn, auf A-2 dann 2 Reiskörner, dann 4, dann 8, dann 16...
Noch einmal wälzten sich die Höflinge vor Lachen auf dem Boden herum, und auch der Kaiser von China schmunzelte vor sich hin, was dieser Arzt doch für ein einfältiger Narr war! Aber schon bald sollte dem Hofstaat, allen voran dem Kaiser von China, das Lachen vergehen...
Sie können die Rechnung jetzt gern mal für sich selbst machen, wie viele Körner Reis dem Arzt am Ende hingezählt werden mussten - oder auch nicht, denn irgendwann waren sämtliche Kornspeicher des Riesenreiches leer, und das Schachbrett war noch lange nicht bis zum letzten Feld gefüllt! Und Tatsache ist, dass es heute keinen Kaiser von China mehr gibt - er hatte sich an einer scheinbar ganz simplen Rechnung tödlich verspekuliert!
Egal, ob diese Geschichte jetzt stimmt oder nur eine hübsche Legende ist - lernen kann man daraus gleich mehrere Lektionen.
- Gold und Reichtum machen nicht automatisch auch glücklich
- Gesundheit kann man nicht kaufen
- Hochmut kommt vor dem Fall
- Wer zuletzt lacht, lacht am besten
- ... ... ... - was immer Ihnen noch einfällt, lassen Sie es mich und alle Leser dieses Blogs wissen!
Eine weitere Lehre ist auf jeden Fall noch, dass Naturgesetze - und damit eben auch das mathematische Gesetz der Verdopplung - stets und immer gelten und wirken - egal ob wir sie kennen und verstehen, und egal auch, ob wir nun Reiskörner, leere Flaschen oder eben auch Dollars und Euro nehmen.
Diese kleine Geschichte hat Ihnen hoffentlich Spaß bereitet, Sie aber vielleicht auch ein klein wenig nachdenklich gemacht.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie die richtigen Schlussfolgerungen ziehen und sich Ihre ganz persönliche Strategie zum Erfolg in Leben entwickeln.
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